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Kinderarmut begünstigt Sprachdefizite - Auswertung der Kölner Sprachstands- feststellung vorgelegt

Grundlage sind die Tests von 18.500 Vierjährigen in den Jahren 2009 und 2010

15.7.2010

Fast jedes dritte Kindergartenkind in Köln kann sich nicht ausreichend in der deutschen Sprache ausdrücken. Dies belegt die Auswertung des Sprachtests Delfin 4 durch das Kölner Bildungsmonitoring. Insgesamt wurden etwa 18.500 Vierjährige in den Jahren 2009 und 2010 getestet. Wesentliche Ursachen für die Sprachdefizite sind Kinderarmut und die sozialen Verhältnisse, in denen die Kinder aufwachsen.

Der Delfin 4-Test wird bei Vierjährigen in Kindergärten durchgeführt. Damit stellt das Schulamt zwei Jahre vor der Einschulung fest, welche Kinder eine Sprachförderung benötigen. So soll erreicht werden, dass jedes Kind von der ersten Schulklasse an dem Unterricht folgen und sich daran beteiligen kann. Die Auswertung der Sprachstandserhebung der letzten beiden Jahre ist Teil des kommunalen Bildungsmonitorings, das derzeit im Rahmen des Programms "Lernen vor Ort" entwickelt wird. Hierbei wurde neben der Familiensprache auch der soziale und ökonomische Hintergrund der Kinder betrachtet.
Schuldezernentin Dr. Agnes Klein
Dr. Agnes Klein
Für Bildungsdezernentin Dr. Agnes Klein steht fest: "Die Sprachstandserhebung zeigt sehr deutlich, dass nicht der Migrationshintergrund alleine für mangelnde Sprachkompetenz bei Kleinkindern verantwortlich ist. Vielmehr spielen hierbei die sozialen Verhältnisse eine wesentliche Rolle. Die Stadt Köln initiiert bereits viele Sprachfördermaßnahmen im Elementarbereich und wir hoffen damit, den Anteil der Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen weiter zu senken. Außerdem ist eine Fachveranstaltung zum Thema in Planung."

Bildungschancen ohne Sprachbarrieren


Die Sprachstandserhebung belegt, dass bei rund der Hälfte der 2009 in Köln getesteten Kinder in der Familie nur Deutsch gesprochen wird. 22 Prozent der Kinder hingegen wachsen zweisprachig auf, während 17 Prozent zuhause überhaupt nicht deutsch sprechen. Von den zu fördernden Kindern sind es 40 Prozent, bei denen Deutsch nicht die Familiensprache ist. Aber auch, wenn in der Familie Deutsch gesprochen wird, sind die sprachlichen Fähigkeiten nicht unbedingt ausreichend: So haben 21 Prozent aller deutschsprachigen Kinder und 29 Prozent der Kinder, die zweisprachig aufwachsen, Förderbedarf.

Kinderarmut und mangelnde Sprachkompetenz

Während der Stadtbezirk Lindenthal die geringste Quote von 10 Prozent aufweist, findet man in Kalk mit 40 Prozent den höchsten Sprachförderbedarf. Ein ähnliches Bild findet sich in Chorweiler mit einem Bedarf von 39 Prozent. In neun von insgesamt 86 Stadtteilen hatte 2009 mindestens jedes zweite Kind einen hohen Bedarf an Förderung in der deutschen Sprache.

Eine Analyse belegt einen starken Zusammenhang zwischen Kindern mit Sprachförderbedarf und Kindern, die von Hartz-IV leben. Es zeigt sich, dass gerade schwierige soziale Verhältnisse Sprachdefizite begünstigen. Demnach sind weder der Migrationshintergrund noch die Familiensprache allein für eine höhere Sprachförderquote verantwortlich.

Förderung von Mehrsprachigkeit

Einige Experten vertreten die Auffassung, dass Migrantenkinder, die ihre Herkunftssprache beherrschen, die deutsche Sprache einfacher erlernen, selbst wenn zuhause kein Deutsch gesprochen wird. Um die Sprachkompetenz dieser Kinder zu fördern, soll das mehrsprachige Angebot in Kindertagesstätten und Grundschulen ausgebaut werden. Bisher gibt es in Köln 19 bilinguale Kindertageseinrichtungen, die Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch anbieten. Die Stadt Köln startete im November 2010 modellhaft in zwei Kindertageseinrichtungen mit bilingualen Angeboten in türkischer und russischer Sprache. Im Sommer 2012 wird entschieden, ob dieses Konzept auch auf andere Kindertagesstätten übertragbar ist.
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Kontakt
Projekt "Lernen vor Ort" des Schuldezernats der Stadt Köln

Frau Samera Zagala

Fon 0221 / 221-29157
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Quelle: Pressemitteilung der Stadt Köln
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